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Das Edelweiß: gebraucht - missbraucht
Installation, 2022

Im Rahmen von Kollektiv MÖGLICHKEITSMENSCH
Konzepte, Recherchen 2021 | Ausstellungen, Lesungen 2022
art contains, Initiatorin: Gertrude Moser-Wagner

Kunsthof Thomatal – "Entscheidung fürs Lebendige“. Ausstellungsgespräch, anschließend Jazzkonzert Masha & Band. Kuratorin: Gertrude Moser-Wagner, Eröffnung: 20.08.2022
Hirt-Haus Atelier Scheifling – Eröffnung der Konzeptausstellung, „Mögliche Performances". Kuratorin: Maren Hirt, Eröffnung: 26.8.2022
Sternstudio und Salon, Wien, Doppelveranstaltung: 26.9.2022 um 18:00 Uhr/20:00

[Installation, Das Edelweiß: gebraucht-missbraucht_DorisJauk-Hinz_c_DJH_2022]
Das Edelweiß: gebraucht-missbraucht, Installation, 2022, Foto: Doris Jauk-Hinz
Das Edelweiß ist bekannt für seine extreme Genügsamkeit und Widerstandsfähigkeit, es hat im Laufe der Evolution gelernt sich an karge, aus menschlicher Sicht lebensfeindliche, Umgebungen anzupassen um zu überleben. Diese Kraft trägt das Edelweiß in sich - physiologisch als Pflanze und kulturell als Image.

Die Kraft der Heilpflanze
Volkstümliche Überlieferungen über die Heilpflanze, die sogenannte Bauchwehblume, und alchemistische Aufzeichnungen belegen die heilende Anwendung in früheren Zeiten und Kulturen. Sie ist bis heute Forschungsgegenstand pharmazeutischer und chemischer Naturwissenschaften, schützt durch ihre antibakteriellen und antioxidativen Eigenschaften den Menschen. Damit das Edelweiß z. B. die großen Höhen ohne Strahlungsschäden übersteht, filtern die feinen Haare der Hochblätter die schädliche UV-Strahlung. Solche Eigenschaften dienen in der Naturkosmetik als Vorlage für Hautpflegeprodukte, auch um der natürlichen Hautalterung entgegenzuwirken.

Der Mythos Edelweiß
Das Edelweiß wurde/wird metaphorisch in Form von kulturellen Übertragungen oftmals auch klischeehaft gebraucht - missbraucht und spielt in zahlreichen Filmen und Liedern eine tragende Rolle in ikonischen Zuschreibungen als die Königin der Berge, der Alpenstern, die Blume der Liebe. Es bietet Stoff für Mythen und Legenden, ist Sinnbild für das Reine, für den Liebesbeweis als Zeichen der Männlichkeit. Es ist ein älpisches Brauchtum aber auch Kitschvorlage für Souvenirs, die ewige Blume als begehrtes Andenken… Von politischen Systemen vereinnahmt und missbraucht zog das Edelweiß als Blume des Heldentums an die Front, Uniformbestandteile waren u. a. Abzeichen mit der Aufschrift „Sieg oder Tod im Alpenrot“, es war Sinnbild für Heimat im Nationalsozialismus, die Lieblingsblume des Führers… Widerstand dagegen leisteten die verfolgten Edelweißpiraten. Im heutigen politischen Widerstand ist das Edelweiß das Symbol der Online-Tageszeitung ZackZack.

Die Installation
In der Ausstellung wird die Kraft des Extraktes der Pflanze in seiner Kleinheit inszeniert und mit dem kulturellen großen Mythos Edelweiß zusammengeführt. Die Installation fokussiert die wertvolle Edelweiß-Säure / Leontopodic Acid mit zukunftsweisenden Eigenschaften in Medizin und Kosmetik. Die Forschungsgruppe um Univ.-Prof. Stuppner, Inst. für Pharmazie/Pharmakognosie, Uni Innsbruck, erforscht seit vielen Jahren die Inhalts- und Wirkstoffe der Pflanze. Dankenswerterweise wird die Edelweiß-Säure für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Die Mühle als Ausstellungsort
Wenn auch in anderen Größen- und Konzentrationsverhältnissen steht die Mühle als Ausstellungsort ebenfalls für Prozesse des Extrahierens lebenswerter Kultur aus der Natur. Mehl aus gemahlenen Getreidekörnern war/ist die Basis für die Herstellung des weltweiten Ur-Lebens-Mittels Brot, welches ebenso grundlegende, metaphorische kulturelle Bedeutungen hat, z.B. in Religionen.

Mehr Bewusstsein, Akzeptanz und Vertrauen in selbstregulierende Prozesse der Natur - in die kulturelle Kraft aus der Natur - wäre eine Möglichkeit des Menschen, ohne seine allmächtigen Eingriffe den unausweichlich scheinenden Untergang zu verhindern.

Danksagungen

• Univ.-Prof. Dr. Hermann Stuppner und Dr. Stefan Schwaiger, Institut für Pharmazie/Pharmakognosie, Universität Innsbruck.
Die Edelweiß-Säure / Leontopodic Acid wird für die Dauer der Ausstellung in der Mühle, Kunsthof Thomatal, zur Verfügung gestellt.
Im Video Bauchweh, Entzündung, Herzinfarkt: Edelweiß kann helfen werden die Forschungsergebnisse vorgestellt, 2019, 6:38, Uni Innsbruck.
[Universität Innsbruck, Logo]

• Die Kräutermacherei, Tina Rosenkranz, Vortrag über das Edelweiß im Rahmen von Kollektiv Möglichkeitsmensch, art contains - artlab (2021).
• ZackZack, Online-Tageszeitung, Dr. Peter Pilz (Hrsg.), Bereitschaft im Rahmen des Projektes präsentiert zu werden.
• STYX Naturkosmetik, Bereitschaft im Rahmen des Projektes präsentiert zu werden.
• Cäcilia Spreitzer, Bürgermeisterin in St. Georgen am Kreischberg, Stmk. und Bäckermeisterin, Prototyp für das Alpensternbrot.
• Liesi Löcker, Biohof Sauschneider, Alpensternbrot für Eröffnungsperformances.
• Martina Gautsch und Gerhard Maierhofer, Eröffnungsperformances.
• Werner Jauk, Klangarbeit; Julian Jauk, Lasercutting für die Installation.
• Gertrude Moser-Wagner, Initiatorin/Organisatorin; Eva Ursprung, Teilorganisatorin; Martin Gautsch und Maren Hirt, Gastgeber_innen.


[Möglichkeitsmensch, Logos]
[Cäcilia Spreitzer, Prototyp für das Alpensternbrot, 2022
. Foto: Cäcilia Spreitzer]
Cäcilia Spreitzer, Prototyp für das Alpensternbrot, 2022
Foto: Cäcilia Spreitzer

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